Der protestantische Widerstand
Der protestantische Widerstand in Prag war um das Jahr 1629 stark geschwächt. Seit der Niederlage der böhmischen Stände in der Schlacht am Weißen Berg (1620) stand die Stadt fest unter der Kontrolle der katholischen Habsburger. Mit der anschließenden Rekatholisierungspolitik von Ferdinand II. wurde das religiöse und politische Leben der Stadt grundlegend verändert.
Situation in Prag um 1629
Nach der Niederlage der böhmischen Stände wurde ein großer Teil des protestantischen Adels enteignet oder ins Exil gezwungen. Viele Gelehrte, Kaufleute und Handwerker verließen Prag, um Zwangskonversionen zu entgehen.
Mit der Erneuerten Landesordnung von 1627/1628 erklärte die habsburgische Regierung den Katholizismus zur einzigen erlaubten Religion im Königreich Böhmen. Die Gegenreformation wurde konsequent durchgesetzt, unter anderem durch den starken Einfluss der Jesuiten.
Protestantische Druckereien wurden geschlossen, religiöse Schriften verboten oder vernichtet, und öffentliche protestantische Gottesdienste verschwanden vollständig aus dem Stadtbild.
Der kaiserliche Generalissimus Albrecht von Wallenstein, selbst aus Böhmen stammend, spielte eine bedeutende Rolle in der politischen und militärischen Ordnung der Region. Seine Entlassung im Jahr 1630 führte jedoch zu zusätzlicher Unsicherheit in der ohnehin angespannten Lage.
Widerstand in dieser Zeit
Ein offener militärischer Widerstand existierte nach 1620 kaum noch. Die protestantischen Kräfte waren militärisch geschlagen und politisch zerschlagen.
Dennoch verschwand der Widerstand nicht vollständig. In Prag entstanden kleine, geheime Netzwerke. Protestanten trafen sich im Verborgenen zu Gebeten, hielten Kontakt zu Exilanten oder bewahrten heimlich ihre religiösen Traditionen.
Einige Adelige, die im Land geblieben waren, versuchten ihren Glauben durch Anpassung, Schweigen oder geheime Kontakte zu erhalten. Andere unterstützten verdeckt oppositionelle Gruppen.
Viele Protestanten hofften vor allem auf Hilfe von außen. Sie warteten auf eine Gelegenheit, bei der ausländische Mächte den Krieg wieder nach Böhmen tragen könnten.
Ausblick
Das Jahr 1629 markierte einen Tiefpunkt für den protestantischen Widerstand in Prag. Mit dem Restitutionsedikt von 1629 verschärfte sich die Lage zusätzlich, da katholische Besitzansprüche auf ehemals protestantische Gebiete durchgesetzt wurden.
Erst mit dem Eingreifen der schwedischen Armee unter Gustav II. Adolf ab 1631 keimte erneut Hoffnung auf. Viele Protestanten sahen darin die Möglichkeit, die habsburgische Vorherrschaft zu erschüttern und vielleicht eines Tages auch Prag zurückzugewinnen.
